Fjorde, Alpen und Wein

Südinsel

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Irgendjemand hat zu uns während unserer Weltreise mal gesagt „Tasmanien ist das kleine Neuseeland, d.h. wenn ihr Tasmanien gesehen habt, wird euch Neuseeland nicht mehr überraschen.“

Erwartungshaltung und Realität

Mit diesen Worten im Hinterkopf flogen wir am 23.11.17 von Hobart nach Christchurch und wollten uns das „große Tasmanien“ dann doch mal genauer anschauen.

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Bereits in dem Moment als wir über die Südlichen Alpen flogen und die schneebedeckten Gipfel uns aus dem Flieger anstrahlten, wurden wir mal wieder darin bestätigt, dass eben kein Land dem anderen gleicht, sondern jedes seine ganz eigene Schönheit besitzt.

Und wenn wir von Schönheit sprechen ist Aotearoa, das Land der langen weißen Wolke, dessen Inbegriff.

Nachdem wir unseren klapprigen Mietwagen in Christchurch abgeholt haben, fuhren wir über die Nelson Lakes Richtung Norden nach Blenheim. Wir bezogen eine herrliche Airbnb Unterkunft in Rarangi direkt am Meer und waren inmitten der malerischen Marlborough Weinregion. Zu Ellas 30. Geburtstag Ende November saßen wir erstmalig bei frühlingshaften 25 Grad in einem Weingut und tranken hervorragenden Chardonnay. Jeder Weinkenner weiß diesen Genuss zu schätzen!

Wüstennomaden und Yurtenbewohner

Nach drei Tagen ging unsere Reise auf der Südinsel weiter über die milchblauen Marlborough Sounds Richtung Abel Tasman Nationalpark. In der Nähe von Motueka haben wir vier Nächte in einer Yurte übernachtet mit Außendusche und -küche. Ein einmaligen Erlebnis und jedem zu empfehlen, der der Natur mal ganz Nahe sein möchte.

Der Abel Tasman Nationalpark ist der kleinste Neuseelands und er beherbergt auf so kompakter Fläche unzählige Naturschönheiten.

Wer genug Zeit mitbringt sollte sich unbedingt Farewell Spit angucken. Die schmale Landzunge im äußersten Norden der Südinsel ragt kilometerweit ins Meer hinein und ist fast vollständig bedeckt von weißen Sanddünen. Wir kamen uns bei der Überquerung der Dünen wie Wüstennomaden vor und hatten auf der anderen Seite der Landzunge einen traumhaften Strand ganz für uns allein.

Am nächsten Tag haben wir eine Bootstour inkl. Wanderung mit dem Abel Tasman Seashuttle gebucht. Gleich am Morgen startete das Boot von Kaiteriteri entlang der Küste bis zur Totaranui Bay. Traumhafte Strände mit rotem Sand und türkisblauen Wasser, kuriose Felsformationen wie der Split Apple Rock, Robben und Seevögel zogen an uns vorbei.

Abel Tasman NP – ein kleines Paradies

In Medlands Beach gingen wir an Land und wanderten etwa zwei Stunden auf dem Abel Tasman Coast Track bis nach Anchorage. Das Wetter zeigte sich von seiner schönsten Seite. Der Weg war einfach und ging durch wunderschöne Urvegetation an malerischen Buchten wie der Sandfly Bay vorbei. An den Cleopatra Pools machten wir einen kurzen Halt und wurden am Nachmittag von unserem Boot wieder eingesammelt. Rückblickend einer unserer schönsten Ausflüge in Neuseeland, auch wenn der Track an diesem Tag sehr voll war.

Bevor wir entlang der Westküste weiterfuhren, besuchten wir noch die Golden Bay und die Te Waikoropupu Springs. Klare Süßwasserquellen klingen an dieser Stelle jetzt nicht so spektakulär. Wer aber vor Ort gewesen ist und einmal auf den Grund geschaut hat, weiß wie beeindruckend dieses Wunder der Natur ist.

Einsame Weite an der Westküste

Die Westküste hat uns sofort verzaubert. Unsere Route führte uns auf der Straße 67 an endlosen einsamen Sandstränden und bizarren Felsformationen, wie unserem selbst getauften Thailand-Felsen entlang. Wir begegneten kaum anderen Urlaubern und genossen die Ruhe bei einer kleinen Stranderkundung.

An den Pancake Rocks, Felsen die wie aufeinandergestapelte Pfannkuchen aussehen, war es mit der Einsamkeit auch schon wieder vorbei. Neben zahlreichen anderen Leuten versuchten auch wir einen kurzen Blick auf die Klippen zu erhaschen und erspähten sogar Delfine, die nah an der Küste vorbei schwammen.

In Neuseeland ist man auf einem Roadtrip stundenlang im Auto unterwegs. So waren wir glücklich, als wir am Abend in der Monteiths Brauerei in Greymouth bei einem kühlen Craft Beer und leckerem Essen entspannen konnten. Eines der besten Restaurants auf unserer Neuseeland-Reise!

Am Abend bezogen wir unsere nächste Airbnb Unterkunft in Kumara. Auf Empfehlung der Besitzer schlichen wir uns nachts noch mit der Taschenlampe hinaus. Denn nicht weit hinterm Haus gab es eine Glühwürmchen Höhle, die wir ganz für uns allein hatten.

Taschenlampe aus und einmal das Leuchten dieser kleinen Tierchen bewundern, magisch!

Lost in Lupinenfeldern

Am nächsten Morgen ging es schon weiter über den Arthurs Pass ins Landsinnere nach Fairlie. Bei den Devils Punchbowls Wasserfällen waren die listigen Keas (Bergpapageien) anzutreffen. 🙂

Wir nächtigten auf einer kleinen Farm und brachen gleich am nächsten Morgen zum Lake Tekapo und dem Mount Cook auf. Völlig euphorisch sprangen wir aus dem Auto, als wir die bunten Lupinenfelder sahen und konnte mit dem Fotografieren gar nicht aufhören. Auch wenn Lupinen als invasive Art eine Pest sind, dann sind sie dennoch die schönste Pest die wir je gesehen haben.

Da es etwas bewölkt war, kam das schöne Blau der Seen Tekapo und Pukaki nicht so zum Ausdruck und wir beschlossen am nächsten Tag nochmal vorbei zu fahren.

Bilderbuch-Neuseeland am Mt. Cook

Angekommen am Mount Cook machten wir noch einen Abstecher zum Tasman Gletscher. Der kurze Aufstieg auf das Plateau lohnt sich allein schon wegen der spektakulären milchblauen Farbe des Gletscherwassers.

Bei einer gemütlichen Wanderung auf dem Hooker Valley Track erlebten wir Neuseeland wie aus dem Bilderbuch. Schneebedeckte Gipfel, alpine Vegetation und malerische Hängebrücken. Am Ende des Tracks kommt man zum Hooker Lake und es legt sich der Blick auf den majestätischsten aller Berge frei, den Aoraki/Mt. Cook. Auch diese Strecke mussten wir uns mit vielen anderen Wanderern teilen, aber die Masse verlief sich auf dem Weg.

Pilgerstimmung am Lake Tekapo

Das herrliche Abendlicht wollten wir nutzen um noch ein paar Aufnahmen von der schönen Kirche am Lake Tekapo zu machen. Dass bereits gefühlt hunderte andere Touristen das gleiche vorhatten, damit haben wir zu diesem Zeitpunkt nicht gerechnet. Und tatsächlich reihte sich Stativ an Stativ, asiatische Hochzeitspaare drängten sich vor die kleine Kapelle, dazwischen Selfie-Sticks und Drohnen.

Wir kamen uns völlig fehl am Platz vor und dieser Moment löste unser friedliches Bild eines unberührten Neuseelands förmlich in Luft auf. Nach einer kurzen Aufnahme fuhren wir ernüchtert und immer noch etwas verstört in unsere Unterkunft zurück und mussten dieses Szenario erst einmal verdauen.

Blaue Seen und wundersame Gebilde

Am nächsten Tag wurden wir vom strahlend blauen Himmel geweckt und der Lake Pukaki hielt was er verspricht. Der See leuchtete so blau, dass es keine Kamera der Welt einfangen konnten. Das Neuseeland wie man es von Fotos kennt.

Unser Weg führte uns weiter Richtung Süden vorbei an Omarama und den bizarren Steinzacken der Clay Cliffs. Zu unserer Freude verirrten sich hierhin kaum Leute und wir erkundeten die aus Schlamm und Kies geformten Gebilde ausgiebig.

Unsere nächste Airbnb Unterkunft lag idyllisch im Nirgendwo in der Nähe von Tarras und dem Lake Wanaka. Das Thermometer hatte mittlerweile Anfang Dezember die 30 Grad Marke erreicht und wir waren froh, als wir einen Gartenschlauch erspähten und schnell drunterhüpfen und uns erfrischen konnten.

Das wir am nächsten Tag die Erfrischung noch viel mehr gebraucht hätten, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Tom hatte unsere Neuseeland Reise akribisch geplant und viele Aktivitäten vorgemerkt. Nun führte er bereits etwas im Schilde.

Roys Peak zwingt dich in die Knie

Am nächsten Morgen meinte er es gäbe eine nette Wanderung auf den Roys Peak, von dem man eine herrliche Aussicht auf die Umgebung hat. Rein in die Wanderstiefel und hochmotiviert begaben wir uns unwissend auf eine der anspruchsvollsten Wanderungen unserer gesamten Reise. Glaub uns, wir waren heilfroh, dass wir durch unser „Blutdoping“ in den Anden durch über 4.000 Meter Höhe in absoluter Topform waren, sonst hätten wir es kaum bis ganz hoch auf den Gipfel geschafft!

Über sieben Kilometer ging es permanent steil bergauf und man überwindet in ca. zweieinhalb Stunden etwa 1.450 Höhenmeter. Unterhalb des Gipfels gibt es die erste Aussichtsplattform. Anfangs dachten wir schon das wäre das Ziel, aber als wir unsere Köpfe gen Himmel drehten, sahen wir, dass der Weg noch weiter hoch ging.

Die letzten Meter zwickten unsere Waden und die Lunge pfiff, aber das Panorama oben auf dem Gipfel des Roys Peak war fantastisch und jede Anstrengung wert.

Nach kurzer Entspannung und einer kleinen Stärkung machten wir uns an den Abstieg und freuten uns, dass dieser erholsamer wird als der Aufstieg.

Dachten wir….

Schon auf der Hälfte der Strecke schmerzten uns die Knochen. Wir mussten immer wieder pausieren, da unsere Beine kaum noch Kraft hatten und unsere Knie durch den stauchenden Abstieg überstrapaziert waren. Nach diesem anspruchsvollen Rückweg haben wir uns im Örtchen Wanaka über einen kühlen Drink und etwas zu Essen mehr als gefreut.

Volle Parkplätze sind kein gutes Zeichen

Unser Roadtrip führte uns weiter Richtung Te Anau. Zuvor machten wir noch einen Abstecher zu den Blue Pools des Mount Aspiring Nationalparks.

Wenn man schon eine Weile in Neuseeland unterwegs ist, dann weiß man, was einen erwartet wenn man an einen sehenswerten Punkt kommt und der gesamte Parkplatz mit Autos und Campern überfüllt ist.

Etwas unmotiviert stapften wir den Pfad zu den Blue Pools hinter, unsere Vermutung wurde bestätigt und auch wenn die Natur hier wunderschöne blaue Seen geschaffen hat, haben wir uns aufgrund der Menschenmassen schnell wieder aus dem Staub gemacht.

In Whare Creek bezogen wir eine der schönsten Airbnb Unterkünfte unserer Reise. Der Ort war auch der ideale Ausgangspunkt für unseren Ausflug nach Milford Sound.

Ausflug zum beliebtesten Fjord

Wenn man Milford Sound individuell besuchen möchte, lohnt es sich mit dem eigenen Mietwagen antizyklisch zu den Buskolonnen zu fahren. Das heißt wir starteten von Whare Creek gegen 8 Uhr und kamen um 09:35 Uhr an. Es herrschte noch Ruhe vor dem Sturm und wir ergatterten spontan ein Ticket für eine Cruise mit dem Anbieter Mitre Peak um 09:55 Uhr.

Das Wetter war bescheiden und wir hatten Glück, dass es bis zum Ende unserer Tour recht trocken blieb. Die Atmosphäre in den Sunds ist beeindruckend und durch den Nebel auch etwas mystisch. Wir steuerten einige Wasserfälle an, haben Robben gesehen und sind bis aufs offene Meer hinaus gefahren. Unser Boot war klein und gemütlich und wir waren nicht mehr als 15 Leute. Absolut empfehlenswert für alle die es etwas ruhiger mögen.

Wir waren froh, dass wir so früh gestartet sind, denn bei unserer Rückkehr fing es an stark zu regnen und die Wolken zogen sich tief in die Sunds hinein. Man konnte kaum mehr etwas erkennen. Die Scharen an Touristen, die aus den gefühlt hunderten Bussen ausgeluden wurden, machten entsprechend düstere Gesichter.

Und wir sind ganz ehrlich, es wird oft viel geredet, dass Milford Sound bei schlechtem Wetter besonders mystisch und schön sei. Wenn es nicht regnet und der Nebel nicht zu tief steht, mag das vielleicht noch stimmen. Aber die Spiegelungen und die Farben der Sunds bei Sonnenschein kann kein graues Wetter ersetzen. Wer also einen der wenigen Sonnentage im Jahr erwischt kann sich absolut glücklich schätzen.

Unabhängig vom Wetter wird unserer Meinung nach Milford Sound allgemein etwas überbewertet. Wir haben während unserer Reise so viele malerische Ecken wie die Marlborough Sounds gesehen, die mindestens genauso schön sind. Übrigens hat es auf unserem Rückweg von Milford Sound so stark geregnet, dass von den Bergkuppen zahlreiche Wasserfälle hinunter rauschten. Das war für uns das eigentliche Naturschauspiel, absolut beeindruckend!

Verschlafene Orte und majestätische Albatrosse

Unsere drei Wochen auf der Südinsel neigten sich dem Ende zu. Wir fuhren in strömenden Regen über Invercargill an die Ostküste nach Dunedin. Legten einen kurzen Stopp am südlichsten Punkt Neuseelands, dem Slope Point ein und verbrachten die nächsten zwei Nächte auf der Otago Halbinsel.

Dunedin ist eine hübsche Stadt im schottischen Stil und hat u.a. mit dem historischen Bahnhofsgebäude so einiges Sehenswertes zu bieten. Außerdem befindet sich in Dunedin die steilste bewohnte Straße der Welt. Auch wir haben den kuriosen “Aufstieg” in Angriff genommen.

Als Tierliebhaber haben wir uns das Royal Albatross Center nicht entgehen lassen. An dem Tag war ordentlicher Wind und die majestätischen Vögel flogen direkt über unsere Köpfe hinweg. Uns blieb für Dunedin und die Otago Halbinsel mit ihren schönen Stränden viel zu wenig Zeit, denn in ein paar Tagen ging schon unser Flug auf die Nordinsel.

Wir legten noch einige Stopps an der Ostküste, u.a. am schönen Nugget Point Lighthouse ein. Wir sahen Gelbaugen-Pinguine in freier Natur, flüchteten bei den Mouraki Boulders aufgrund des Besucheransturms schnell wieder in unser Auto und quartierten uns die letzten Tage in Akaroa auf der Banks Halbinsel ein. Es regnete in strömen als wir Christchurch verließen und wir wurden mit Sonnenschein in Auckland begrüßt.

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2 Kommentare
  1. Xenia
    Xenia sagte:

    Ein wundervoller Bericht über die Südinsel, mit den besten Tipps überhaupt und überragenden Bildern! Wir werden jetzt den letzten Zipfel der Südinsel bereisen und sind dankbar für eure Highlights. Schade, dass wir vorher nicht drauf gestoßen sind, aber wir haben ja zum Glück noch die Nordinsel.

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    • Tom & Ella
      Tom & Ella sagte:

      Hi Xenia, vielen Dank für deine lieben Worte! Wir freuen uns sehr, dass wir euch mit unserem Bericht ein wenig inspirieren konnten. Neuseeland ist einfach wundervoll, genießt die Zeit auf diesem einzigartigen Fleckchen Erde. Wir sind gespannt auf eure Fotos! 🙂 Liebe Grüße, Tom & Ella

      Antworten

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