Eine Insel der Blue Zone

Ikaria

Weltreise-Griechenland-Dodekanes-Insel-Hopping-Ikaria-Hintergrund

Wir hatten keinen so guten Start in Ikaria. Als wir mit der Fähre anlegten, waren wir guter Dinge im Hauptort Agios Kirikos einen fahrbaren Untersatz zu bekommen. Fehlanzeige! Alle drei Car Rentals hatten keine Fahrzeuge mehr. Der einzige Taxifahrer war für die nächsten vier Stunden ausgebucht. Wir beide also erstmal „Lost in Ikaria“.

Der Fluch vom ersten Eindruck

Gott sei Dank fuhr um 19 Uhr noch ein Bus ins 45 km entfernte Armenistis. Hier hatten wir auch unsere Unterkunft. Die Fahrt war recht abenteuerlich, der Bus quetschte sich enge Serpentinen hoch und wir vermieden es rechts runter in die Tiefe zu schauen. Nach zwei Stunden, ja solange braucht man auf Ikaria, kamen wir dann endlich etwas erschöpft an. Der Empfang unserer Gastgeber fiel nicht sehr freundlich aus und das gebuchte Apartment war anders als wir es uns vorgestellt hatten. Gegen 22:30 Uhr machten wir uns auf den Weg etwas Essbares zu suchen und fanden eine nette Taverne direkt im Ort.

Das ist nebenbei das Schöne an Griechenland, hier richten sich die Küchen nach den Gästen. Und da die Griechen erst um 23 Uhr zum Abendessen kommen, muss man sich keine Gedanken machen, wenn man mal etwas später dran ist.

Fazit vom ersten Abend: Etwas Ernüchterung. Alles irgendwie ganz anders als wir es von Griechenland bisher kannten und dieser Eindruck sollte sich auch in den nächsten Tagen bestätigen.

Am Ende des Abends war das Glück doch noch auf unserer Seite und wir ergatterten das letzte Quad, was uns die nächsten Tage dann zuverlässig begleiten sollte.

Abgeschieden von der Außenwelt

Am nächsten Tag erkundeten wir das abgelegene Örtchen Karkinagri. Die Straße dorthin hatte man erst dieses Jahr begonnen zu asphaltieren, Teile davon waren noch Schotterpiste. Nach dem Baden sind wir ein wenig durch den Ort gestreift und konnten zum ersten Mal nachempfinden, wie sich wohl Flüchtlinge in Deutschland fühlen müssen. Zumindest ging es uns ähnlich, als wir von den Einheimischen misstrauisch gemustert wurden.

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn man sich vor Reisebeginn ein wenig über die Insel Ikaria informiert hätte, dann würde man das ein oder andere auch besser verstehen. Da die Geschichte von Ikaria an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde, anbei die Kurzversion.

Kommunistische Enklave

Ikaria trägt auch den Namen „die rote Insel“, amtierende Partei ist die KKE. Die Insel ist also fest in kommunistischer Hand. Daher ist einigen Einheimischen der Tourismus ein Dorn im Auge, da dieser ja bekanntlich nicht für alle Vorteile bringt. Verständlich, dass Ikaria auch deswegen noch recht wenig touristisch erschlossen ist.

Dennoch haben wir die Einheimischen als sehr freundliche und herzliche Menschen wahrgenommen. Die Ikarioten nehmen übrigens kein Trinkgeld. Ein Wirt hat es gut auf den Punkt gebracht: „This amount is for me, and this (the tip) is for the other people. Dieses Geld ist für mich und das hier (Trinkgeld) ist für andere Menschen.

Die Insel der Langlebigkeit

Ikaria ist außerdem ein Teil der Blue Zone. Das sind Gegenden in der Welt, in denen Menschen sehr alt werden. Im Schnitt meist 10 Jahre oder mehr als der Rest der Weltbevölkerung. Der älteste in unserem Dorf war stattliche 110 Jahre.

Was ist das Geheimnis ihrer Langlebigkeit?

  • Viel Entspannung/wenig Stress

  • Den Sinn im eigenen Leben finden

  • Viel Gemüse, weniger Fleisch

  • Jeden Tag ein Glas Wein

  • Zeit mit der Familie verbringen

  • Essen bis man zu 80% gesättigt ist

  • Regelmäßige Bewegung

  • Mit positiven Menschen umgeben

  • Zu einer gläubigen Gemeinschaft gehören

Quelle: https://bluezones.com/2016/11/power-9/

Hohe Wellen und heiße Quellen

Ikaria ist eine recht große Insel mit einer Ausdehnung von ca. 40 km. Der höchste Berg ist 1.037 m. Landschaftlich ist Ikaria sehr reizvoll. Durch eigene Süßwasserquellen gibt es eine üppige Vegetation. Man kann besonders im Frühjahr herrlich wandern. Ikaria hat traumhafte breite Sandstrände. Im Norden der Insel sind jedoch die Wellen teilweise Mann hoch und man kann nicht wirklich entspannt baden/schwimmen.

Im Süden ist das Meer etwas ruhiger, hier gibt es auch einige heiße Quellen. Die sogenannten Thermas auf Ikaria sind die wohl radioaktivsten der ganzen Welt. Das mussten wir natürlich testen! Also rein ins Radon-, Radium-, Natrium- und Schwefel-Gemisch. Bei mollig-warmen 50 Grad lagen wir über eine Stunde drinnen. Es war einfach herrlich! Und nein wir sind nicht verstrahlt. 😉 Die Halbwertszeit von Radon/Radium beträgt nur 24h, danach ist das meiste wohl wieder abgebaut. Dafür heilt es wohl jegliche Gelenk- und Hautleiden. Wir fühlten uns danach zumindest tiefenentspannt!

Und der zweite Eindruck?

Eine noch unberührte griechische Insel für Griechenland-Erfahrene. Wir waren vor allem begeistert von der guten Küche. Die Ikarioten bauen alles auf ihrer Insel biologisch an. Gemüse frisch vom Feld und köstlicher Wein aus eigener Produktion. Das haben wir bisher auf keiner anderen griechischen Insel erlebt.

Der Fährmann auf der Rückfahrt hat es bezgl. Ikaria gut auf den Punkt gebracht: „Jede Inselgruppe ist eine Völkchen für sich, da haben wir die Ionischen Inseln, die Kykladen, die Dodekanes-Inseln…ach und dann gibt es noch Ikaria, eine völlig andere Welt!“

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