Das verlorene Paradies

Bali

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“Lohnt sich Bali überhaupt noch?”

“Wir haben gehört es soll ganz furchtbar sein!”

Mit solchen Aussagen wurden wir vor unserer Reise des Öfteren konfrontiert. Dennoch haben wir uns ganz bewusst für Bali entschieden. Fast zwei Monate wollten wir vor allem von der indonesischen Insel aus arbeiten. Die Lebenshaltungskosten sind gering, das Internet funktioniert wunderbar und die Community ist entsprechend groß. So zumindest waren unsere Erwartungen. Wie das so ist, kommt alles immer etwas anders und so sind wir dann doch mehr auf Bali gereist als geplant.

Wir haben uns auf das Schlimmste eingestellt: Touristenmassen, Müllberge, Verkehrschaos, Smog…

Nach der ersten Woche wollten wir am liebsten schon wieder nach Griechenland zurück. Aber jeder Ort bekommt bei uns seine Chance und so haben wir uns einen Mietwagen geliehen und uns in den chaotischen Straßenverkehr gewagt, um auch die etwas abgelegenen Ecken von Bali zu erkunden.

Eines bereits vorab: Wir haben sie dann auch gefunden. Orte, an denen ein Hauch des ursprünglichen Bali noch zu spüren war, an denen wir sprachlos ein wunderschönes Fleckchen Natur bewundern konnten und an denen wir kaum eine Menschenseele antrafen.

Ob wir die Insel weiterempfehlen können? Das verraten wir dir in unseren persönlichen Bali Highlights:

Ubud Stadt: Für uns kein Highlight

In Ubud haben wir uns für etwa vier Wochen spontan einen Mietwagen ausgeliehen und wollten einen Roadtrip rund um die Insel machen. Wie es ist mit dem Mietwagen Bali zu erkunden, berichten wir dir in einem separaten Blogartikel.

Zwei Wochen waren wir bis dahin in der Gegend rund um Ubud und wir konnten bis zuletzt keine Unterkunft finden, in der wir uns wohlfühlten und die bezahlbar war. So entstand daraus ein Unterkunftshopping was uns viel Zeit, Nerven und schlussendlich auch Geld gekostet hat. Dazu muss man wissen, dass es in Ubud klimatisch bedingt sehr feucht ist. Die meisten günstigen Unterkünfte haben demnach ein Schimmelproblem und in den Zimmern ist es oft klamm. Betten klamm, Klamotten klamm und in der Klimaanlage Schimmel, da sträuben sich uns die Nackenhaare. Je teurer die Unterkunft, desto eher besserte sich dieser Zustand.

Außerhalb von Ubud geht es allgemein etwas ruhiger zu und es gibt mit dem umgebenden Regenwald und den Reisterrassen durchaus auch ein paar sehr schöne Orte zu entdecken. Die Stadt selbst hat jedoch für uns ihren einstigen Charme durch das Verkehrschaos und die Menschenmassen leider komplett verloren. Zu unserer Zeit waren die Bürgersteige unbenutzbar und der Smog ließ kaum Luft zum Atmen. Bemühungen einen Parkplatz außerhalb der Stadt zu bauen und via Shuttle die Leute in den Stadtkern zu bringen, scheitern immer wieder an unterschiedlichen Interessengruppen. In manchen verkehrsberuhigten Gassen haben wir noch den Duft der Räucherstäbchen genossen und im hippen Vegan-Superfood-Restaurant bei Chia-Bowl und Matcha-Latte versucht uns Ubud schön zu schlemmen.

Flucht in den Norden

Hat nix geholfen und somit ging unsere Reise mit den Mietwagen in den Norden nach Singaraja. Die Stadt selbst ist chaotisch, aber in unserer Unterkunft, dem Warung Bambu Pemaron erwartete uns eine kleine Oase. Beate, eine deutsche Auswanderin betreibt hier ein gemütliches Airbnb direkt über ihrem Restaurant. Das Zimmer war sauber und klimatisiert und das Essen im Warung hervorragend. Direkt daneben grenzte ein grünes Reisfeld an und fernab vom Verkehrslärm hatten wir vor allem viel Ruhe, genau das was wir gesucht haben. Außerdem stand auch unsere Visumsverlängerung an, dafür hätte die Lage fünf Minuten von der Immigrasi nicht besser sein können.

Der Standort ist auch ideal für Ausflüge in der gesamten nördlichen Region. Nur ein paar Autominuten entfernt liegt der Lovina Beach. Dunkler Vulkansand säumt den Strand von Lovina und am Abend, wenn die Sonne hinter der Insel Java untergeht ist die Stimmung hier einzigartig. Ein magischer Ort!

Fährst du südlich in Richtung der Kraterseen erreichst du in etwa einer Stunde die noch recht unbekannten Banyumala Twin Waterfalls. Ein kurzer Pfad führt hinab zu diesen malerischen Wasserfällen. Zu unserer Zeit waren nur wenig Leute vor Ort und man benötigt keinen Guide für den Weg. An einem Kassenhäuschen auf der Hälfte der Strecke ist ein Eintritt von 15k Rp p.P. (Sep. 2018) zu entrichten.

 

Ein Juwel in den Bergen

Dschungel, Wasserfälle, Kaffeeplantagen. Munduk im Norden von Bali darfst du als Naturliebhaber nicht verpassen. Vom Massentourismus noch weitgehend verschont, erlebst du hier ein Stück weit das ursprüngliche Bali. Uns persönlich hat das Golden Valley am besten gefallen. Vom Eco Café aus genießt du einen herrlichen Ausblick auf den Wasserfall des Tals und kannst inmitten von Kaffeeplantagen die Ruhe und Einsamkeit dieses Ortes genießen.

Übrigens bietet das Eco Café als eines der wenigen Kopi Luwak von freilebenden Fleckenmusangs an. Dieser teure Kaffee ist weltweit eine besondere Delikatesse, da er aus den Exkrementen der Schleichkatze gewonnen wird. Der Fleckenmusang frisst die Bohnen, sein Darm verdaut diese unter mithilfe spezieller Enzyme und heraus kommt eine wohlschmeckende Kaffeebohne.

In den letzten Jahren hat sich jedoch leider ein grausames Geschäft mit dem Kopi Luwak etabliert und die Schleichkatzen werden von vielen Produzenten in engen Käfigen und unter unwürdigen Bedingungen gehalten. Hier im Golden Valley leben sie noch frei und du kannst ohne schlechtes Gewissen eine Tasse dieses besonderen Kaffees probieren.

Auf den Spuren von Buddha

Auf dem Rückweg von Munduk nach Lovina lohnt ein Stopp am Brahma Vihara Arama, dem größten buddhistischen Tempel auf Bali. Selbst als Tempelmuffel wirst du hier verzaubert von der magischen Ruhe und bewunderst ehrfürchtig das riesige Himmelstor. Dahinter liegt der Haupttempel mit seinen malerischen Pagodendächern, die aussehen wie kleine Hüte. Wir waren am späten Nachmittag gemeinsam mit einem balinesischen Hochzeitspärchen die einzigen Menschen vor Ort und konnten wunderschöne Aufnahmen von der Anlage machen. Der Tempel selbst kostet keinen Eintritt, es wird lediglich um eine Spende gebeten. Einen Sarong kannst du bei den Damen vor dem Tempel kostenfrei ausleihen.

Reisterrassen mitten im Dschungel

Im Süden von Singaraja mitten im Dschungel liegt Lemukih. Der kleine Ort ist eigentlich völlig unspektakulär, wären nicht direkt in der Nähe sieben Wasserfälle und fantastische Reisterrassen zu bewundern. Die Fiji Reisterrassen sind noch ein Geheimtipp und fallen steil und terrassenförmig ins Tal hinab. Vom Warung Fiji hast du einen fantastischen Ausblick auf die Bilderbuch-Terrassen. Es gibt eine kleine Bali Swing, die kostenfrei ist, wenn man beim netten Besitzer einen kühlen Drink kauft. Direkt dahinter kommst du in das Tal der Wasserfälle. Der bekannteste und einer der höchsten von Bali ist der Sekumpul Wasserfall. Weniger bekannt, aber mindestens genauso spektakulär sind die Fiji Wasserfälle, die du direkt über die Reisterrassen erreichst.

Du kommst in das versteckte Tal auch ohne Guide, aber der Weg ist nicht leicht zu finden und es werden dir zahlreiche Leute über den Weg laufen, die dir eine Tour anbieten wollen. Wir sind vom unteren Ort Lemukih aus auf eigene Faust ins Tal gelaufen und haben uns durch Gebüsch und Dschungel gekämpft. Nur um auf dem Rückweg herauszufinden, dass der offizielle Eingang im oberen Dorf am Warung „Mungseng Breezee Resto“ ist. Wenn du nur wenig Zeit hast und nicht so weit laufen möchtest, kannst du auch eine Tagestour mit Guide für ca. 200-300k Rp buchen. Dieser fährt dich dann zu den Fiji Reisterrassen und von dort aus läufst du mit ihm zu den einzelnen Wasserfällen.

Sandstrände im Osten Balis

Wie oft haben wir vorab gehört, dass Bali keine schönen Strände hat. Umso überraschter waren wir als wir am Bias Tugel Beach (= White Beach) von Padang Bai standen. Ein kurzer Spaziergang führt über einen Hügel direkt zur Bucht. Unten angekommen wirst du von einem wunderschönen hellen Sandstrand und türkisblauen Wasser begrüßt. Wenn der Wellengang nicht zu hoch ist, kannst du dich hier herrlich erfrischen. Es gibt Liegen und Sonnenschirme zu mieten und die Strand-Warungs versorgen einen mit kühlen Getränken und indonesischen Gerichten.

Auch der Blue Lagoon Beach im Norden von Padang Bai kann sich unserer Meinung nach sehen lassen. Der Strandabschnitt selbst ist hier recht schmal, aber wir haben in der Bucht viele Leute gesehen, die in dem türkisblauen Wasser geschnorchelt sind. Beide Strände waren zu unserer Zeit weitgehend frei von Müll. Der Zugang zu den Stränden war kostenfrei, am Blue Lagoon Beach haben wir fürs Parken 5k Rp bezahlt.

Das ursprüngliche Bali erleben

Sagen wir es mal so, bevor wir in das verschlafene Örtchen Sidemen kamen, hätten wir wohl jedes Flugticket raus aus Bali dankend angenommen. Natürlich gab es bis dahin auch schöne Ecken, aber nichts konnte uns bis zu diesem Zeitpunkt so wirklich begeistern. Und dann kamen wir nach Sidemen und standen vor dem Bali, was bisher nur in unseren Vorstellungen existierte. Wir haben uns sofort in die unzähligen Reisfelder, den mächtigen Vulkan Agung am Horizont und die liebenswerten und bescheidenen Bewohner verliebt. Wir werden nie die Abende vergessen, in denen wir eine Taschenlampe brauchten, um zu Fuß zum nächsten Warung zu navigieren. Was für eine magische Ruhe haben wir in den sternenklaren Nächten hier genossen.

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Es gibt mittlerweile zahlreiche kleine Homestays, in denen du günstig übernachten kannst, manche sogar mit Blick auf den Vulkan Agung. Wir haben einige Unterkünfte vor Ort getestet und können das Embang Homestay, das Griya Valud (Abb. oben) und das Amrita Villa & Café wärmstens empfehlen. Sidemen lässt sich bei einer kleinen Wanderung wunderbar zu Fuß erkunden.

Der sogenannte Sidemen-Loop führt dich entlang malerischer Reisterrassen, durch die Dörfer der Einheimischen, über Gemüsefelder und Flussläufe. Wir haben einen geführten Rundgang mit dem Inhaber vom Amrita gemacht, der noch einige Schleichwege kannte und uns sehr viel über Land und Leute erzählt hat (ca. 35k Rp p.P. pro Stunde). Wir wünschten Sidemen würde für immer so idyllisch bleiben. Aber wir wissen, dass sich die Zeiten ändern werden. Wohl schneller als uns allen lieb ist. Wir hatten hier eine wundervolle Zeit und sind dankbar diese Ecke auf Bali entdeckt zu haben.

Weltkulturerbe Jatiluwih

Vor Jahren mal ein Geheimtipp sind auch diese abgelegenen Reisterrassen im zentralen Hochland von Bali mittlerweile gut besucht und auf das Geschäft mit den Touristen bestens abgestimmt. Dennoch waren wir begeistert von der Weitläufigkeit und Schönheit der Anlage. Die Reisterrassen breiten sich schier endlos im gesamten Tal aus. Es gibt zahlreiche Pfade, die durch das große Gebiet durchführen und im Gegensatz zum Rest der Insel waren die Jatiluwih Reisterrassen sicher auch bedingt durch das UNESCO Siegel sauber und müllfrei. Der Eintritt kostet 40k Rp p.P. (Sep. 2018) und ist bereits einige Kilometer vor den eigentlichen Reisterrassen an einem Kassenhäuschen zu zahlen. Es gibt vier Rundwege unterschiedlicher Länge, auf denen du die Schönheit der Anlage bewundern kannst.

Balis magische Sonnenuntergänge

Was haben wir mit uns gehadert, ob wir an unserem letzten Abend zum Tanah Lot Tempel fahren sollen oder nicht. Dieser bizarre Tempel am Meer hat uns von Anfang an aufgrund der Touristenmassen abgeschreckt und doch waren wir fasziniert von den Aufnahmen, die wir gesehen haben. Wir wollten dem Tempel eine Chance geben und so sind wir vor Sonnenuntergang hingefahren. Was für eine magische Kulisse hat uns erwartet!

Der Tempel Tanah Lot liegt in der Nähe von Canggu auf einer Landzunge und besonders wenn die Sonne hinter dem Meer verschwindet, zeigt sich der Tempel von seiner schönsten Seite. Wenn du den Touristenmassen entgehen willst, dann laufe am besten zu den Warungs auf der linken Seite des Tempels. Von hier oben hast du den schönsten Blick. Bestell dir einen kühlen Drink und beobachte wie sich dreiviertel der Leute direkt vor den Tempel drängen, um eine Sekunde nachdem die Sonne untergegangen ist die Szenerie wieder fluchtartig zu verlassen. Dabei beginnt das eigentliche Farbspiel erst jetzt. Für uns waren die 60k Rp p.P. Eintritt diesen magischen Ausklang unserer Bali Reise absolut Wert!

Küstenorte und Fischerdörfer

Auch Amed und Canggu haben wir während unseres Bali Roadtrips erkundet. Amed ist ein noch recht verschlafener Fischerort im Osten von Bali und bis auf eine Hauptstraße mit zahlreichen Warungs und Tauchgeschäften gibt es hier nicht viel zu sehen. Besonders am Abend wirkte der Ort eher ausgestorben. Bei Tauchern und Schnorchelfans ist Amed sehr beliebt. Unweit der Ortschaft kannst du zum Beispiel an einem japanischen Schiffswrack schnorcheln.

Wir haben oberhalb von Amed eine kleine Wanderung in die Berge unternommen, kamen an den Dörfern der Einheimischen vorbei und konnten einen schönen Ausblick auf den Agung genießen. Am frühen Morgen kannst du mit den Fischern gegen einen kleinen Obolus zum Sonnenaufgang hinausfahren. Unzählige Boote reihten sich am Horizont und als die Fischer zurückkamen und uns ihre leeren Netze zeigten, wurde uns einmal mehr bewusst, wie schlecht es nicht nur um die Insel, sondern auch um Balis Gewässer steht.

Der Küstenort Canggu liegt im Süden der Insel und konnte uns persönlich nicht so wirklich begeistern. Der Strand war überfüllt und dreckig, im Meer schwammen zahlreiche Plastikpartikel. Für Surfer und Nomaden mag Canggu recht attraktiv sein, wir konnten dem Ort bis auf ein paar nette Restaurants überhaupt nichts abgewinnen. Lediglich die Reisfelder außerhalb von Canggu versprühen noch ländlichen Charme und sind einen Abstecher wert.

Lohnt sich Bali überhaupt noch?

Fast zwei Monate haben wir uns Zeit genommen Bali näher kennen zu lernen und trotz der vielen negativen Berichte, wollten wir der Insel eine Chance geben. Unser Fazit zu Bali schreiben wir daher mit gemischten Gefühlen. Wie viele andere waren wir abgeschreckt von dem Verkehrschaos in den Städten und dem Müll unter dem die Insel mittlerweile zu ersticken droht. Die Luftverschmutzung hat uns genauso angewidert, wie der Hype um Instagram-Fotos an jeder Attraktion auf Bali.

Und doch gab es Momente in denen wir spürten, wie das ursprüngliche Bali gewesen sein muss. Momente in denen wir entlang grüner Reisfelder spazierten, in denen uns der Duft der Räucherstächen verzauberte und in denen die Klänge in den Warungs uns in völlig vergessene Zeiten eintauchen ließen. Diese Zeiten müssen großartig gewesen sein und wir sind etwas wehmütig, dass wir die Insel nicht schon vor 10 Jahren besucht haben.

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Uns hat es fasziniert mit welcher Beständigkeit und Hingabe viele Einheimische ihren hinduistischen Glauben leben. Prasselt auf sie doch die westliche Konsumwelt tagtäglich ein. Leider ist Bali für uns ein trauriges Beispiel, wie zerstörerisch die Auswirkungen des Massentourismus sind. Bali braucht nicht noch mehr Touristen, das mussten wir am Ende einsehen. Letztendlich haben auch wir mit unserer Entscheidung, die Insel zu bereisen zu dieser negativen Entwicklung beigetragen. Wenn Bali für dich also kein Traumziel ist, dann ist dies der richtige Zeitpunkt, nochmal einen Blick auf deine Bucket-List zu werfen und vielleicht ein anderes Reiseziel ins Auge zu fassen.

Wie hat dir Bali gefallen? Berichte uns von deinen Highlights und wie du die aktuelle Entwicklung siehst.

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